Ausbildungsplan

 

1. Eignungsprüfung als Aufnahmeprüfung

Aufnahmekriterien
- mindestens mittlere Reife oder abgeschlossene Lehre
- selbständiges Einstudieren von drei Rollen aus Theaterstücken (daruntrer ein Klassiker mit gebundener Sprache)
- Vortrag eines Liedes, Arbeit an den Rollen, eine Improvisation und Vorlesen eines Textes

 

2. Dauer der Ausbildung
Ausbildungsvertrag über 3 Jahre (6 Semester mit 41 Ferientagen pro Jahr).
Nach dem ersten Semester entscheiden beide Vertragspartner, ob die Ausbildung fortgesetzt wird.
Die Ausbildungszeit kann sich um ein weiteres Semester verlängern, wenn die Abschlussprüfung nach 6 Semestern nicht bestanden wird.

 

3. Bezeichnung des Ausbildungsberufs
Schauspieler mit Abschluss und Zuerkennung der Bühnenreife

 

4. Berufsbild
(Überblick über Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die erworben werden)
- berufsnotwendige Atem- und Sprechtechnik
- ein transparenter Körper mit hoher Belastbarkeit und Konzentration aus Ausdrucksmittel
- Gesangstechnik für Lieder in Stücken, Songs und Chansons und Chorgesang
- emotionale Intensität, Kreativität und Kontrolle zur realistischen Menschendarstellung
- geistige Beweglichkeit durch inhaltliche Auseinandersetzung als Künstler
- Mobilität verschiedenen Methoden und Medien gegenüber

 

5. Ausbildungsrahmenplan
(Lehrinhalte und zeitlicher Ablauf, eine grobe zeitliche und sachliche Gliederung der Ausbildungsinhalte)


I. Lehrinhalte
Die ersten beiden Semester sind ein Grundstudium. Das Hauptfach "Schauspiel" gliedert sich in Szenenarbeit, Grundlagenarbeit und Schauspieltraining. Ab dem 3. Semester wird auf die Theaterpraxis hingearbeitet: hinzu kommt das Fach Rollenstudium zum Aufbau der Figur. Ab 4. Semester findet das Kennenlernen von verschiedenen Darstellungsmethoden und -techniken mit Unterricht in folgenden Fächern statt:
- Atemschulung
- Sprecherziehung, Stimmbildung, Artikulationsschulung, Chorsprechen und Rezitation von Gedichten
- Liedgestaltung im Solobereich und Chorsingen
- Bewegung, Körperausdruck, Akrobatik, Pantomime, Kinomichi, Fechten, Tanz und Moving
- Theater-, Literatur- und Kulturgeschichte, Schauspieltheorie und Dramaturgie
- Kamera-Acting ab dem 4. Semester für Film und Fernsehen

Näheres zu den einzelnen Fächern unter dem Menüpunkt Fächer


II. Ablauf

Im 1. Semester wird im Fach Szenenarbeit auf der Grundlage von Alltagsbeobachtungen eine Szenenfolge durch Improvisationen selbst erarbeitet und mit der Lehrkraft in eine Form gebracht, mit der Absicht, "das Leben zu spielen". Dazu kommt im Fach Improvisation Grundlagenarbeit zur Erarbeitung von grundlegenden Kenntnissen und Techniken der modernen Schauspielkunst auf der Grundlage von Konstantin Stanislawski und Bertolt Brecht. Als Ergänzung dazu gibt es das Fach Schauspieltraining zum Kennenlernen weiterer methodischer Richtungen (Sanford Meisner und Michael Chekhov). Ab dem 1. Semester gibt es darüber hinaus Unterricht in den technischen Fächern: Atem, Sprechen, Bewegen und Theorie als Seminar mit Referaten und gemeinsamen Studien.

Im 2. Semester wird anstelle der Eigenarbeit des 1. Semesters in der Gruppe eine Szenenfolge erarbeitet, und zwar mit von einem Autor vorgegebenem klassischem Textmaterial. Alle anderen im 1. Semester angebotenen Fächer werden auch im 2. Semester weiterentwickelt nach dem Ausbildungsplan des jeweiligen Fachlehrers.

Im 3. Semester findet die Szenenarbeit nicht mehr in der Gruppe der beiden ersten Semester statt. Es wird eine moderne Duo-Szene mit einem anderen Lehrer als in den ersten beiden Semestern inszeniert. Dazu kommt das erste Rollenstudium zur Erarbeitung eines Rollenrepertoires für das spätere Vorsprechen an Theatern und für das Vorstellen bei der ZAV-Künstlervermittlung, gearbeitet mit einem weiteren Lehrer. Dazu bleibt im Lehrplan die Arbeit in den technischen Fächern im gewohnten Ausmaß und die Erarbeitung von Choreografien, Pantomimen, Songs und Fechtszenen zur Präsentation am nächsten Öffentlichen Abend.

Im 4. Semester wird eine klassische Zweier- oder Dreierszene gearbeitet, das Fach Grundlagenarbeit geht in das Fach Improvisation über, das Fach Schauspieltraining wird weitergeführt - in beiden Fächern geht es um Improvisationsarbeit als Vorbereitung und Vorübung für spätere Inszenierungen von Stücken. Im Fach Rollenstudium wird als zweite Rolle eine Figur aus der klassischen Literatur einstudiert, wieder von einer anderen Lehrkraft, um verschiedene Arbeitsweisen und Methoden kennen- und damit umgehen zu lernen, weil auch an Theatern und beim Filmen mit verschiedenen Handschriften inszeniert wird. Alle anderen Fächer werden im bisherigen Aufwand weiter betrieben. Hinzu kommt vom 4. - 6. Semester das Fach Kamera-Acting als Rüstzeug für spätere Film- und Fernsehaufgaben.

Im 5. Semester wird nochmals eine moderne Szene und eine weitere moderne Rolle mit verschiedenen Lehrern gearbeitet. (Es gibt an der Schauspielschule "Der Kreis" kontinuierlich 5 verschiedene Lehrkräfte für Rollenstudium und Szenenarbeit.) Wie im Fach Szenenarbeit gibt es auch in den Fächern Tanzen, Singen, Fechten und Pantomime als Aufgabenstellung die Einstudierung von Darbietungen. Diese kommen dem jeweiligen Ausbildungsstand entsprechend in der Zwischenprüfung und beim Öffentlichen Abend zur Aufführung.

Im 6. Semester: Erarbeitung von zwei weiteren Rollen (einer modernen und einer klassischen) mit anderen Lehrkräften als im 5. Semester, dazu eine weitere Rollenarbeit nach eigener Wahl in Selbstarbeit. Außerdem Übernahme einer weiteren Rolle im Abschlussprojekt. Im Abschlussprojekt wird erstmals ein ganzes Stück einstudiert und am Ende des Semesters zur Aufführung gebracht. Das geschieht nach Möglichkeit nicht mehr in den Räumen der Schule, sondern als Gastspiel in einem Theater Berlins. Die Aufführungen des Abschlussprojekts stehen am Ende der Zwischenprüfung, der Abschlussprüfung. Wenn die Abschlussprüfung (Aufführung der drei gearbeiteten Rollen, die Präsentation eines Liedes, eines Tanzes in der Gruppe, einer Pantomime, einer Fechtszene, einer akrobatischen Darbietung, einer gearbeiteten Improvisation und der Aufführung des Abschlussprojekts) vom Kollegium einhellig positiv beurteilt werden konnte, wird das "Zeugnis der Bühnenreife" ausgestellt. Damit wird der erfolgreiche Abschluss der dreijährigen Schauspielausbildung dokumentiert. Dieser beglaubigte Abschluss ermöglicht die Teilnahme am Vorsprechen bei der ZAV-Künstlervermittlung.